Das Haus und seine Bewohner


1897/98

 Der Landschaftsmaler und Graphiker Otto Ubbelohde heiratet seine Kusine Hanna Unger im November 1897. Ende September 1898 stirbt der Vater August Ubbelohde, Professor für römisches Recht in Marburg. Vermutlich in diesen Zusammenhängen entschließt sich Ubbelohde, mit seiner Frau einen eigenen Hausstand zu gründen. Er sucht zunächst in Wehrda, das ihm jedoch zu nahe an Marburg liegt, dann im oberen Lahntal.

 1899

 Ubbelohde erwirbt ein Grundstück in der Flussaue der Lahn unterhalb von Goßfelden.

 

1900

 Ubbelohde baut sich nach seinen eigenen Entwürfen und in enger Zusammenarbeit mit den örtlichen Handwerkern ein Atelierhaus. Es wird bestimmt durch den Hauptraum mit einem großen Oberlicht und Fenstern auf der Nordseite, dem neutralen Licht zum Malen. Dazu treten eine Sitzecke und ein Schlafraum, der später so genannte Bilderstall, in dem heute Wechselausstellungen stattfinden.

 

Ab 1902

Das Ehepaar Ubbelohde erwirbt nach und nach die umliegenden Gärten: Bienengarten, den Bereich der Pappelallee am Roten Graben, Zwischenstück zwischen Bienen- und Gemüsegarten und schließlich diesen Gemüsegarten. Im Untergeschoß des Hauses sind die Ställe für ein Schwein und Geflügel.

 

1905

Ubbelohde erweitert das Haus um einen Essraum, den „Langen Gang“ als Zugang zu ihm und eine Küche, wieder nach eigenen Entwürfen. Hauptgrund ist vermutlich, dass Ubbelohde eine kleine Sommerakademie für Malschüler und -schülerinnen unterhält. Die Außenfassade wird verschindelt.

 

1914/15

Das Haus erfährt eine zweite Erweiterung nach Osten mit einem neuen und größeren Wohntrakt, dem Nordzugang mit etwas repräsentativerer Treppe, dazu ein Schmuckgitter mit den Initialen H und O für Hanna und Otto; erstmals nun unter Mitwirkung eines Architekten (W. Frey).

 

8. Mai 1922

Tod Otto Ubbelohdes mit 55 Jahren.

 

1926

Da die Ehe der Ubbelohdes kinderlos geblieben war, adoptiert Hanna Ubbelohde Heinrich Doering, der seit 1913 in Briefkontakt mit Otto Ubbelohde steht und nach Ende des Krieges im Haus seine spätere Frau Else Hettner kennenlernt. Das Ehepaar nimmt den Namen Ubbelohde-Doering an und lebt zunächst im Haus, um 1932 dann nach München zu ziehen. Die beiden Kinder, Reinhard und Brigitte, wachsen bei ihrer Großmutter im Haus auf, wenn die Eltern – der Vater war Völkerkundler – für Ausgrabungen in Peru sind.

 

1932

Der im Zusammenhang der Brüningschen Notverordnung in Kassel als Zeichenlehrer entlassene Maler Franz Frank zieht mit seiner Familie ins Obergeschoss des Ateliers. Dazu lässt Hanna Ubbelohde das direkte Oberlicht schließen. Das Hauptgeschoss des Ateliers bleibt unverändert für das Gedenken an Otto Ubbelohde erhalten.

 

1945/46

In der Nachkriegszeit beherbergt das Haus einige Verwandte von Hanna Ubbelohde. Frau Margarete Zinn geb. Weihe (1905–2006), eine weitere Nichte des Ehepaars Ubbelohde, zieht mit ihren Kindern Hermann und Maritta ins Haus. Sie lebt hier bis 2001 und kümmert sich über Jahrzehnte um die Staudenrabatten im Gemüsegarten.

 

1948

Tod Hanna Ubbelohdes mit 75 Jahren.

 

1954

Der Maler Franz Frank übersiedelt mit seiner Familie, seiner Frau und den inzwischen vier Töchtern Brigitte, Eike, Elisabeth und Barbara, nach Marburg in ein eigenes Haus.

 

1956

Das Ehepaar Ubbelohde-Doering kommt mit Tochter Brigitte aus München zurück in das Haus. Sie ändern die Einrichtung des Ateliers für ihre Wohnzwecke, die Möbel und der zum Teil abgehängte Märchenfries bleiben jedoch erhalten.

 

1972

Tod Prof. Heinrich Ubbelohde-Doerings.

 

1991

Tod Else Ubbelohde-Doerings.

Der Nachlass Otto und Hanna Ubbelohdes – die nachgelassenen Kunstwerke, das Haus und die Gärten – geht durch das Vermächtnis Else Ubbelohde-Doerings in die Otto Ubbelohde-Stiftung über. Frau Brigitte Ubbelohde-Doering zieht in das Haus und bewohnt es seitdem.

 

1994

Die Otto Ubbelohde-Stiftung konstituiert sich mit den handelnden Gremien Stiftungsrat und Vorstand.

 

1996–99

Die Otto Ubbelohde-Stiftung renoviert das Haus. Die Statik des Hauses wird instand gesetzt. Die Atelierdecke wird wieder zum Oberlicht geöffnet, der Treppenaufgang freigelegt. Die Sitzecke wird mit ihren originalen Bestandteilen wieder eingerichtet.

Die Gärten werden schrittweise in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt, das Grundstück am Roten Graben im Zugang der Gesamtanlage wird zurückerworben.

 

Herbst 1999

Das Otto Ubbelohde-Haus wird durch die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Ruth Wagner, der Öffentlichkeit als Museum übergeben.



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The Otto Ubbelohde House and people who have lived there
An english version of the text above
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